Ostern 2011

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Werner01

59, Männlich

  Ellada Profi

Labertasche

Beiträge: 5082

Ostern 2011

von Werner01 am 19.07.2011 04:04

Ostern 2011

Ich habe lange Zeit mit mir im Clinch gelegen. Im Clinch darüber, erneut etwas
zu schreiben, was es schon tausendfach gibt. Reiseberichte. Vor allem zum Thema
Griechenland. Meine Meinung zum Thema Reiseberichte variiert. Oftmals ist es
mehr als spannend, etwas zu lesen über Ziele die man kennt. Wenn der Schreiber es irgendwie
schafft mich in seinen Bann zu ziehen, lese ich gerne. Gar nicht mal um neues oder gar informatives
zu finden, vielmehr um durch die Augen des schreibenden zu sehen, was ich an Bildern vor meinem
geistigen Auge habe. Schöne Erinnerungen, traurige, tragische oder gar lustige. Hauptsache es spricht
meinen Geist, meine Phantasie an. Aus diesem Grunde finde ich viele Reiseberichte oftmals weder
prickelnd oder gar ansprechend, ganz im Gegenteil, sie langweilen mich. Mir kommt es echt vor
wie Aufzählungen aus einem Katalog, erst gingen wir hier hin, Foto mit Mutti und Pappi, dann gingen
wir dorthin, erneutes Foto mit Pappi und Mutti, dann assen wir hier zu Abend, Foto mit Pappi, Mutti
und Kellner vor einem total überladenem Tisch voller Essensreste,(der Kellner ist seit heute unser Freund,
wir dürfen ihn mit dem Vornamen anreden) am nächsten Tag besichtigten wir
Bauwerk A, Foto mit Pappa, Mutti, Kind (ein anderer Tourie machte es vor geschichtsträchtigem Bauwerk)
Bauwerk B.........gääääääääähn und so weiter. Vor allem das Parthenon, Esel auf Santorin, Windmühlen
auf Mykonos, felsige Einöden auf den Kykladen und andere Klischees fallen mir dann ein.
Wollen diese Leute, die darüber berichten mich langweilen, frag ich mich dann oft.
Andere machen es noch anders, erzählen und schreiben in verblümter Sprache, oftmals prosaischer
Sprache, erklären Eindrücke, Bilder, Gegebenheiten, die sich oftmals, zumindest mir, nur schwer erschliessen.
Da ist dann von blühenden Blumen die Rede in felsiger Einöde, von Licht, das versucht wird so darzustellen
als sei es tatsächlich ein Licht der Erkenntniss, einer Erleuchtung durch Elfen gleich, ein Licht welches es nirgendwo anders
auf dieser Welt gäbe, selbstredend gepaart mit My(s)thik, die den schreibenden Nordeuropäer just in dem
Moment durchflutet, indem ihn solch eigenartige Anwandlung durchdringt.
Wollen diese Leute, die darüber berichten mich langweilen, mich gar verarschen, frag ich mich dann oft.
Aber O.K. Ich lese solche Dinge.
Manchmal guck ich auch nur Bilder. Das gibt es auch. Manch einer macht Reiseberichte nur mit Bildern,
ohne viel Worte. Da folgt dann Bild auf Bild, ohne jeglichen Kommentar. Die Interpretation obliegt dann
jedem selbst. Auch oft spannend, manchmal aber auch langweilig, erklärt der Fotomacher nicht, was er genau
gesehen haben will.
Ich bin auch nicht anders, bestimmt nicht besser oder gar innovativer indem ich stilistiche Merkmale aufzähle,
vielleicht sogar noch einfallsloser, indem und weil ich die Aufzählung verschiedener Mittel und Stile bemühe.
Bei mir ist es so, und das wollt ich noch mal erklären, auch ich sehe mein Griechenland aus meiner mir eigenen
Sicht. Eine Sicht, die auch nicht Vorurteilsfrei ist. Auch nicht weniger Klischeehaft.
Eine Sicht, die mir seit den sechzigern anerzogen wurde, ob
ich wollte oder nicht, ich war halt Kind und der Erwachsenenwelt die mich prägte, ausgesetzt.
Was wollte, will ich eigentlich sagen ?
Den schönsten "Reisebericht" den ich je las, war anders. Es ging nicht um Bauwerke, nicht um
Sehenswürdigkeiten, nicht um lohnenswerte Ziele. Es ging erst mal darum, zu erklären wie anders
der "Grieche" ist und zu erklären, warum er so ist.
Johannes Gaitanidis heisst der Autor, Griechenland ohne Säulen heisst dieses Buch, erschienen in etlichen Auflagen
bereits in den sechzigern. Meine Ausgabe die mir vorliegt las ich ende der neunziger, fesselte mich aber
und war der für mich der beste je gelesene Reiseführer. Ich verstand nämlich genau, was der Buchautor meinte,
als er es zwanzig, dreissig Jahre zuvor schrieb. Obwohl sein Anliegen ein reines Sachbuch war, als solches geplant war,
zauberte es mir totales Lachen, Frohsinn in meine Seele. Ich erkannte mich wieder, seine Worte zauberten mir Bilder
vor mein geistiges Auge, welche ich selbst auf Dias nicht mehr finde, aber tief in mir sind.
Er machte sie durch Worte lebendig.
Das nenn ich KÖNNEN.

Nun wollte und will ich niemanden verteufeln der nicht so schreibt
wie es mich anspricht, auch will ich niemanden überzeugen für den Müll
den ich von mir gebe, aber ich hoffe etwas erclairt zu haben.
Niemand gibt etwas von sich, vor allem nicht persönliche Eindrücke,
um andere zu langweilen. Manch einer tut es zwar, um seinen Eindruck
als den ultimativen richtigen darzustellen, sich wichtig zu fühlen falls sich viele
wiederfinden, aber kaum jemandem gelingt es, Dinge so wieder zu geben,
dass sich jeder wiederfindet. Mir auch nicht.

Und so schliesst sich für mich der Kreis. Ostern 2011 wird nichts neues bringen,
meine emotionale Ebene ist die selbe, auch die Aussagen werden die selben sein.
Griechenland ist schön, meine emotionale Verbundenheit zu den Menschen die ich kenne
ist sehr stark, stärker als zu manch einem hier. Trotz Krise oder weil Krise, ich vermag es nicht zu sagen.

Wer mag und Lust hat hat, liest es...ohne Anspruch bitte, weil mehr als erzählen, Bilder einstellen,
kann ich auch nicht.Und keine Sorge, so ausschweifend wie meine Winterreise wird es nicht, weil Ostern
in Ellada hatte ich schon mal öfter........

LG Werner01©

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Werner01

59, Männlich

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Labertasche

Beiträge: 5082

Re: Ostern 2011

von Werner01 am 19.07.2011 05:22

Es geschah Ende März. Einer der Tage, an dem die Temperatur hier zum ersten mal im Jahr
die 15 Grad Marke überschritt, ohne die 20 Grad Marke zu erreichen. Dennoch herschte hier
Euphorie, die Rasenmäher wurden hier in unserer Reihenhaussiedlung ebenso aus dem Winterschlaf
erweckt, wie die nun mittlerweilen beliebten Kugelgrills., Die Sonne brennt mittags um zwei, und Lidl
und Co wussten wohl ob des guten Wetters, jedenfalls haben sie mariniertes Grillgut im Angebot,
gleich neben der ersten Holzkohle des Jahres. Ich persönlich steh nicht auf dieses Gehabe, aber als gegen
achtzehn Uhr lautstark das "erste Pferd mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt" und unmittelbar
drauf der Nachbar lautstark zur rechten "Sein Schiff hat kommen gelassen hat" wird mir klar,
dass mein Winterschlaf mit Träumen an Ellada vorbei ist. Der Winter ist vorbei. Die Reihenhausidylle
nebst Schrebergartenidylle hat begonnen. So aus dem Nichts. Für uns jedenfalls. Böse Zungen behaupten,
unsere Nachbarn sitzen bereits seit Februar in Kellern oder Garagen, um dieses Event zu planen.
Heile Welt. Jedem das seine. Ich steh am Gartenzaun und beobachte, wie Tochter links aus dem Sandkasten
dem Sohn rechts übern Zaun eine volle Ladung Sand oder Mist in die Fresse wirft, um im gleichen Moment
zu brüllen, der Kävin hätte ihr weh getan, mit Dreck zu werfen. Die Eltern verfallen sofort in Diskussionen,
der Zaun der im Wege steht, die Garagenzufahrten, die Mülltonnen, alles eignet sich zum Streit.
Und meine liebste kommt, beladen mit Platten an Grillgut und fragt,
WARUM gehst du nicht da rein?
Und ich sage, ich will nicht Prellbock sein sich bekriegender Sandkastenkidds.
Darauf sie: Geh auf die Terasse zu den anderen.
Darauf ich : NEIN, was soll ich da, hab weder Rasenmäher noch Kugelgrill, noch mag ich Schlager
DU wirst dich NIE anpassen raunt sie mir zu, und entschwindet in die Küche der Gastgeberin.
Kävin Maurice und Lisa Marie (nur wer heute doppelnahmen hat bekommt später nen job)
gehen ins bett, die Fete steigt, andrea berg hat zum abertausendsten mal den besungen der
sie belogen hat, da sag ich gegen elf zu meiner liebsten: Ich will hier weg, weit weg, das ist
nicht mein Leben.

LG Werner01©

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AgathaC

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Re: Ostern 2011

von AgathaC am 19.07.2011 09:57

Meine Güte!

Hätte nicht gedacht, daß in deutschen Reihenhaussiedlungen soo viel los sein könnte ... ;-)

Was hast Du dann gemacht Werner? Bist Du nach Ellada gefahren??

LG
Bettina

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Ratschkatl
Gelöschter Benutzer

Re: Ostern 2011

von Ratschkatl am 19.07.2011 10:23

Ja Werner, manchmal komme ich mir auch vor wie im falschen Film.. kann das irgendwie nachfühlen. Darum wohne ich lieber mitten in der lärmenden Stadt, wo es multikulturell zugeht, ich würde sowas nicht aushalten, hatte ich schon mal und da kriegt man dann eins aufs Dach, wenn man auf einen "wohlgemerkt öffentlichen" Gehweg vor einem Reihenhaus aus Versehen den Schnee vom Auto runterkehrt.. geht doch nicht... !
Echt witzig.. meine Kollegin und ich haben uns letztens auch über die neue Mode der "Doppelnamen" unterhalten. Tja.. ich denk immer an eine bestimmte Powerpoint-Präsentation.. in der beschrieben wird, wie wir aufgewachsen sind.. es ist echt ein Wunder, dass wir groß geworden sind :-)
bin schon gespannt auf Deinen Ostern in Greece-Bericht ;-)

Antworten Zuletzt bearbeitet am 19.07.2011 10:28.

Margarita

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Re: Ostern 2011

von Margarita am 19.07.2011 13:34

Hallo Werner,

ich bekenne mich als Kykladenfan schuldig!

Ich sehe auch das Licht, das Spiel von Licht und Schatten, von strahlendem Weiß und Farbe,
ich sehe die Ästethik der Architektur, sehe Phantasie und Formenreichtum,
ich sehe verwinkelte Gassenlabyrinthe mit einem Meer von farbigen Balkonen, Treppen, Fenstern und blauen Kirchenkuppeln,
ich sehe den Farbenrausch blühender Wiesen im Frühling und im Herbst von Bougainvilleen,
ich sehe die karge Schönheit der Landschaften im unendlichen Blau des Himmels und der Ägäis,
und ich sehe auch Wirklichkeit gewordene Klischees.

Ich sehe was was du nicht siehst.......und das ist wunderschön:exclaim:

Kykladische Grüße
Margarita : tanz1

Ich hab die Haare schön, ich hab die Haare schön

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Werner01

59, Männlich

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Re: Ostern 2011

von Werner01 am 19.07.2011 14:01

ich bekenne mich als Kykladenfan schuldig!




Macht doch nichts, kann doch jedem mal passieren, Kopf hoch, alles wird gut....;-)

LG Werner01©

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Tenedos
Gelöschter Benutzer

Re: Ostern 2011

von Tenedos am 19.07.2011 14:17

Man muß Griechenland schon als ganzes betrachten. Für den einen ist der Norden "das Beste", was immer das auch sein mag, für die anderen die Klykladen, wieder andere finden den Peleponnes als das Maß aller Dinge. Dann gibt es noch einige Gebiete, die auch ihre Liebhaber haben. Lassen wir doch die Kirche im Dorf. Es wird immer verschiedene Meinungen und Ansichten geben und das ist auch gut so. Ich war ein paar mal auf den Inseln, konnte mich aber nicht so richtig damit anfreunden. Mag auch daran liegen, daß ich fast die Hälfte meines "Erwachsenenlebens" in Griechenland verbracht habe. Und vor allen Dingen, hatte ich andere Vorstellungen als ein 3 Wochenurlauber. ich kann die Leute verstehen, die das Licht sehen, die Kräuter riechen und die blühenden Wiesen sehen. Gibt es ja alles in diesem Land. Und ich sehe mir lieber die Zagohoria, das Gebiet des Nestos oder die Gegend von Florina/Kastoria an. Das Meer hatte ich lange genug, (bin ja auch kein Tourist).

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Ratschkatl
Gelöschter Benutzer

Re: Ostern 2011

von Ratschkatl am 19.07.2011 14:29

Hallöchen noch mal!
Also ich finde jedes Eck hat irgendwie einen Reiz. Man kann gar nicht sagen, wo es schöner ist. Ich möchte nichts missen, was ich von GR gesehen habe. Manches hat mich mehr beeindruckt und manches eher nicht. Aber ich reise immer mit offenen Augen und finde überall schöne Ecken.
Ja, Du Glücklicher Tenedos.. das Meer muss ich immer erst ausgiebig genießen, wenn ich es mal habe, meistens nur ein Mal im Jahr.

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Margarita

75, Weiblich

  Ellada Profi

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Re: Ostern 2011

von Margarita am 19.07.2011 17:19

Tenni,

ich kann dir nur uneingeschränkt zustimmen. Griechenland muss man als Ganzes betrachten und jeder hat seine Vorlieben. Auch wenn ich Inselfan bin, und nicht nur Kykladenfan, bin ich dem Festland gegenüber keinesfalls voreingenommen. Eines Tages komme ich dort auch mal hin um mir die schöne Landschaft mal in natura anzusehen.

Griechische Grüße
Margarita

Ich hab die Haare schön, ich hab die Haare schön

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Werner01

59, Männlich

  Ellada Profi

Labertasche

Beiträge: 5082

Re: Ostern 2011

von Werner01 am 19.07.2011 19:33

Tenni,

ich kann dir nur uneingeschränkt zustimmen. Griechenland muss man als Ganzes betrachten und jeder hat seine Vorlieben. Auch wenn ich Inselfan bin, und nicht nur Kykladenfan, bin ich dem Festland gegenüber keinesfalls voreingenommen


Tut mir leid ihr beiden, aber ich kan euch da nicht ganz folgen. Griechenland als ganzes sehen. Wie soll das gehen ?
Kann man Deutschland als ganzes sehen ? Also ich meine rein geografisch, nicht politisch oder gesellschaftlich.
Sind die Landschaften nicht viel zu vielfältig, oft auch gegensätzlich ?
Ich seh das immer so, vielleicht auch zu Klischeehaft. Aber leben die Bilder vor unserem geistigen Auge nicht durch diese
Klischees, die wir uns ansehen, die uns bewusst anziehen ?
Wenn ich die Augen schliesse und an Holland denke, sehe ich zwangsläufig Dünen, braunes aufgewühltes Wasser,
Dünen Gras das sich im Wind biegt, und rieche regelrecht Pommes. So weit geht meine Phantasie. Warum ? Weil ich früher immer mal nen Kurztripp nach Zeeland machte. Und Zeeland ist für mich Holland. Meine Vorstellung von Holland,
meine Erinnerungen an Holland.
Wenn ich an Belgien denke, sehe ich das goldene Dach des Rathauses in Brüssel, sehe die Gassen die hinab vom Grand Place führen an denen sich unzählige Fresstempel säumen.
Und ich glaube halt, so oder so ähnlich gehts jedem. Jeder hat seine Vorlieben, Lieblingsplätze, und assoziiert zwangsläufig diese mit dem Land.
Ich glaube wenn man 100 Leute fragen würde die allesamt noch nie in Ägypten waren, was ihnen spontan zu Ägypten einfällt, würde die Mehrheit Pyramide sagen. Ganz ganz wenige vielleicht Tee trinken in Kairo. Aber was ist typischer
für Ägypten?
Und so ist es dann auch mit Griechenland. Ich will wirklich nicht kokettieren, ich hatte halt das Glück, von Kindheit an sehr vieles dort zu sehen. Was sind meine Eltern früher mit uns Kindern dort rumgereist, wo bin ich nicht schon überall gewesen, oft zwangsläufig, oft bewusst. Und wieviel neues lerne ich jedesmal kennen, wieviel habe ich noch nicht gesehen ? Eine ganze Menge.Auch wenn man ein und die selbe Gegend sieht, so ist es doch ein Unterschied zu welcher Jahreszeit man sie betrachtet. Früher, als die Egnatia noch nicht fertig war, fuhren wir oft über den Katara Pass. Oben angekommen machten wir immer eine Pause, da steht so eine "Hütte" an einem Hang, der sogar einen Schlepplift für Ski
Fahrer hat. Ich stand dann oft da und versuchte vieles aus den Bildern die sich boten auszublenden.
Also den Müll weggedacht der da überall lag und die türkischen Mitbürger die da auf der Wiese schliefen und picknickten,
und Scwupps hätte man sich auch in ener hochalpinen Landschaft in Österreich, Deutschland, Italien oder der Schweiz befinden können. Sogar braune Kühe laufen da im Sommer rum, sogar mit Glocke. Ich war da einmal sehr spät im Herbst,
da lag da oben Schnee. Drinnen in der Raststätte ist ein Riesen Kamin, der war gut befeuert, draussen wars kalt, es schneite wie verrückt. Wenn der Wirt uns Jagertee gebracht hätte, wär die Illusion perfekt gewesen.
Oder seht euch mal die Bilder an die der Brei in seiner Galerie hat aus dem Dorf seiner Schwiegermutter.
Da sind Bilder von Flüssen drin. Wer käm auf die Idee zu sagen es sei in Griechenland ? Woran will man es erkennen ?
Und so hat halt jeder irgendwo eine Vorstellung davon, was Griechenland ist. Ich glaube wie eben beim Beispiel Ägypten
von 100 Befragten die noch nie in Ellada waren würden 45 Akropolis antworten und 25 weisse Kapelle mit blauem Kuppeldach und 30 Gyros Pommes Bude anne Ecke.
Ist das Griechenland ? Ich kenne jemanden, der ewig und schon immer die Kykladen bereiste. Auf der Halkidiki war er bitterst enttäuscht, vermisste schaukelnde Fischerböötchen in malerischen Buchten. Gleich um die Ecke lagen sie, man musste nur hingucken. Aber das muss man auch wollen und können, wenn Tränen den Blick trüben weil man nicht
in SEINEM Griechenland ist. Weil die Türen und Fenster oft blass grün statt blau sind, obwohl die Häuser genauso weiss gekälkt sind wie auf den Kykladen. Und so weiter und so weiter. Also was seht ihr macht ihr die Augen zu ?
Wenn ich an Deutschland denke sehe ich Pappeln, und ich fühle quasi den feinen Nieselregen der aus unendlichem Grau
fällt und den Wind der mich ärgert, weil oft zu kühl, und Nässe und Wind sind gar nichts für mich. Aber ich rieche auch nichts, rein gar nichts. Beim Holland Bild rieche ich zumindest Fritten.
Frag mal nen Ruhrpottler was er sieht, oder nen Bayern.
Und wenn ich an Griechenland denke, dann seh ich echt sooo viel, soo lebendig ist dieses Bild, kaum zu beschreiben wenn man es nicht kennt. Ich sehe die Hausfassade eines viergeschossigen Plattenbaus, die Betonpfeiler sind weiss gestrichen, die Zwischenwände hellgelb, beides hebt sich total grell weil es von der Sonne beschienen wird gegen den Stahlblauen Himmel und dem etwas dunkler blau schimmernden Meer am Horizont ab. Auf dem Dach des Hauses stehen mehr Antennen als in einer deutschen Kleinstadt, kein Balkon gleicht dem anderen, der eine liegt zwei Meter in den Wohnraum hinein, der nächste hat zwei Meter nach aussen gebaut, wieder ein anderer hat ne grade Wand. Alle Fensterläden sind anders, sowohl in Material wie auch Farbe, aber eins ist gleich, überall sind Wäscheleinen gespannt
und überall hängen Plastiktüten (Inhalt nich bekannt) an Wäscheklammern. Aus jeder Wohnung erklingt ein Radio oder Fernseher, eins lauter als das andere, dazu stehen an den Fenstern Frauen die lauthals über die Strasse zum gegenüberliegenden Haus brüllen, oftmals mit Themen die wirklich nicht in die Öffentlichkeit sollten. Unten vor dem Haus
parken Dreiräder, auf deren Ladefläche sich Obst und Gemüsekisten stapeln, dahinter in wucherndem Gestrüpp ein altes Autowrack, in dem sich Strassenköter um einen Platz auf dem Sitz beissen und streunede Katzen spielen mit den überall rumfliegenden Plastikflaschen, rennen aber weg weil von Links ein Pick Up kommt der Meterhoch mit Plastikstühlen beladen ist und ein Megaphon auf dem Dach hat das leistungsstark gegen den Lärm der Radios und Fernseher ankämpft.
Ich spüre Wärme, die Luft ist geschwängert mit dem Geruch der tausenden von Feigen die überall wachsen und dem Pinienharz der Bäume, die sonst noch da wachsen.
Das ist ein sehr lebendiges Bild, und auch wenn ich keine Akropolis oder Säule oder Kapelle sehe, so sehe ich doch das
was mich zutiefst glücklich macht, für mich ist es der schönste Ort auf dieser Welt. So sehe ich Griechenland.
Sicherlich kein Bild um Werbung für ein Land zu machen wenn man es so liest, aber glaubt mir, wenn ich so auf unserem
Balkon stehe (Wir haben wirklich noch den originalen 40cm breiten) und dieses Treiben betrachte, brauche ich kein TV mehr, keine Musik, dann habe ich keinen Hunger oder Durst, brauche keinen Schlaf, dann könnt ich einfach nur stundenlang da stehen und gucken gucken gucken. Und für mich könnte nichts griechischer sein als genau dieses Bild.

LG Werner01©

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