Griechenland Juli 2012

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Werner01

60, Männlich

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Labertasche

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Re: Griechenland Juli 2012

von Werner01 am 05.08.2012 20:36

Mittlerweile ist es fast 11.00 Uhr, die Sonne steigt höher in den Himmel und somit ist es mit
Schatten im Vorgarten auch vorbei für die nächsten Stunden. Die morgendliche Gesellschaft
löst sich auf, man verkriecht sich drinnen in der Hoffnung für den rest des langen Tages Kühle
zu finden, oder sich zumindest vor der nun echt erbarmungslos brennenden Sonne zu schützen.
Ich suche noch mal die Dusche auf, weil die Hände vom Fruchtsaft verklebten Obst zu waschen
nichts wirklich bringen würde, da ich wirklich voller Genuss ass, und die Pfirsiche echt klasse waren,
wie meine Oberschenkel und Teile meines Oberkörpers erkennen lassen. Irgendwie habe ich auch zu
sehr den Körper benutzt beim reden und essen. Und ausserdem ists nicht mehr warm, sondern heiss.
42 Grad zeigt das Thermometer, und obwohl die Dusche mehr als gut tat, bin ich von der geringen
Anstrengung des Abtrocknens oder eben einfach nur durch das Wetter wieder nass. Saloniki im Sommer.
Eigentlich wollte ich das nie mehr. Dennoch, ich bin froh hier zu sein. 17 Grad solln es in Westdeutschland
sein hörte ich eben, als meine Mom telefonierte. Der Rest der Family und sämtliche Nachbarn und
Bekannte haben sich verzogen. Wir sitzen zu viert in der Küche, Mom,Dad, meine liebste und ich.
"Ich will was einkaufen" sag ich, habt ihr Lust mit zu kommen. "Was willst du denn kaufen" fragt
meine Mom und blickt Richtung Kühlschrank. Dann erklärt sie, das der Kühlschrank rappelvoll sei
wie ich wohl selber gesehen hätte, rappelvoll mit Zeugs das keiner essen könnte wie sie meint,
angeschleppt von zig Leuten die meinen irgendetwas von Krise gehört oder gelesen zu haben und nun
versuchen zu hamstern wie die irren. Gerade die hier, denen es alle verdammt gut geht, die fette Renten,
Löhne und Gehälter hätten. Sie macht die linke Türe auf. Kiloweise Bohnen und Okra lagern dort in
den oberen Fächern, in den unteren Kiloweise Paprika und Auberginen. Hinter der rechten Türe
sieht es nicht viel besser aus. Mindestens 48 Eier oder wieviel auch immer in zwei solcher Papp
Tabletts reinpassen (eine Nachbarin brachte sie vorgestern von ihrer Tante aus dem Dorf mit)
und sage und schreibe 4 Dosen a 1 Kilo !!!!! Feta (der war im Angebot und Onkel meinte den kaufen
zu müssen) nehmen viel von dem Platz weg, den wir damals, als wir zur Eröffnung des Media Marktes
dieses zweitürige Monstrum inkl Eiscrasher von Kühlschrank kauften, als Platz für Getränke
geplant hatten. Im unteren Bereich stapeln sich 0,5er Wasserflaschen, wiederbefüllt mit Leitungswasser,
weil jetzt in der Krise hat man einen "Wasserfilter" für Leitungswasser angeschafft. Dazu noch
Kiloweise Pfirsiche. Das Gefrierfach ist ebenfalls voll mit gefrorenen Wasserflaschen.
Ich krieg nen Lachanfall, und zum ersten mal rutscht mir der Spruch "Scheiss Krise" raus.
Wir lachen alle. Oh mannomann. Ich will aber kaltes Bier, kalte Cola, kaltes Mineralwasser mit
Kohlensäure, kalte Zitronenlimonade.
"Dann müssen wir eben etwas Platz machen" meint Dad. "Wie denn" feixt Mom. Die Sachen die
hier lagern sind doch Heiligtümer derer die das tagtäglich ankarren.
"Wir könnten Omelettes machen, Pfannkuchen, Waffeln und die an hilfsbedürftige Kinder
verteilen" wirft meine liebste ein. Ich fall vom Stuhl, meine Mom bekommt sich nicht mehr ein
und selbst mein Dad muss lachen. "Lacht nicht sagt er", die Leute hier sind sehr stolz und meinen
es nur gut. Scheiss Krise eben. "Aber die Sache mit dem Bus geht echt zu weit" entgegne ich.
"Weisst du, das mit dem Bus ist gar nicht verkehrt. Wenn man sich erst dran gewöhnt hat macht
es sogar richtig Spass, und kostet echt kaum etwas" kontert mein Dad. "Klar, vor allem nachts um
fünf aufstehen um Schwimmen zu gehen" entgegne ich. " Dafür steigst du aber direkt am Strand aus"
sagt er. "Wie weit ist es denn nun wirklich vom Parkplatz bis zum Strand" frage ich.
"Vielleicht drei Minuten zu Fuss" sagt er. "Du weisst doch wie die sind, die übertreiben ständig.
Aber den Preis für die Monatskarte wollen die irgendwie reinholen"
"Das bringt uns alles nicht weiter" sag ich. Also räumen wir etwas auf. Die 43 Flaschen Leitungswasser
dezimieren wir auf 10, Etliche Bohnen,Okras, sonstige Gemüse packen wir in Tüten, und Pfirsiche
stapeln wir in eine alte Kiste. Dennoch ist der Kühlschrank noch halb voll, aber immerhin ist etwas
Platz für meine geplanten Einkäufe. Die aussortierten Nahrungsmittel nehmen wir mit, ich kenn auch einen
Abnehmer. 33 Flaschen abgefülltes Leitungswasser nehmen den Weg in den Container, ohne Wasser,
das spendeten wir dem Olivenbaum im Vorgarten. Voller Vorfreude auf die Klimaanlage im Auto
geh ich hinaus, starte den Motor, verbrenn mir die Finger am Lenkrad, aber was solls. Saloniki im
Sommer, eigentlich wollt ich das nie wieder, nun bin ich hier, und ich bin froh drum. Die Nahrungsmittel
sind schnell untergebracht, ein Pope an einer bekannten Sammelstelle freut sich und bedankt sich, segnet
uns und beschenkt uns mit Gebäck. Auf die Frage ob er auch noch Eier wolle sagt er, eigentlich ja, nur jetzt
im Sommer, hätte er kaum gekühlte Lagermöglichkeiten. Also doch Omelette bis zum abwinken meint
meine liebste später.

LG Werner01©

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Claire

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Re: Griechenland Juli 2012

von Claire am 05.08.2012 20:13

Mach doch mal ne Weinlese

...im Winter???
da jibbet keine Beeren, nur Oliven...und das ist sehr mühsam

LG Claire
heureka - ich hab`s (vergessen)

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Tenedos
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Re: Griechenland Juli 2012

von Tenedos am 05.08.2012 20:02

Mach doch mal ne Weinlese 

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Claire

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Beiträge: 1622

Re: Griechenland Juli 2012

von Claire am 05.08.2012 19:59

Toll zu lesen, aber ganz les ichs auch im Winter

...und was les ich im Winter ?

LG Claire
heureka - ich hab`s (vergessen)

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Tenedos
Gelöschter Benutzer

Re: Griechenland Juli 2012

von Tenedos am 05.08.2012 18:19

Dafür brauche ich auch keinen Weinkeller, da wir im Dorf zu Fuß nach Lazaridis gehen können um ein paar Flaschen zu kaufen.
Liegt dann auch preislich im interessanten Bereich. 

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Tenedos
Gelöschter Benutzer

Re: Griechenland Juli 2012

von Tenedos am 05.08.2012 18:17

1km ist aber sehr optimistisch. Stavroupoli/Illioupoli ist doch schon etwas weiter entfernt.

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Werner01

60, Männlich

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Re: Griechenland Juli 2012

von Werner01 am 05.08.2012 17:55

In welchem Stadtteil von Saloniki wohnt denn Deine Familie?

Kalamaria Herr Tenedos, immer noch. So ca. 1KM südwestlich deiner Schwiegermutter........

Toll zu lesen, aber ganz les ichs auch im Winter

Noch ein Anreiz mehr bis dahin fertig zu werden.......

LG Werner01©

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epirus
Gelöschter Benutzer

Re: Griechenland Juli 2012

von epirus am 05.08.2012 17:36

Toll zu lesen, aber ganz les ichs auch im Winter

Muss wieder in meinen Weinkeller, Flaschenzählen. Falls NB nachfragen sollte. Zudem hat er ja schon 30-40 Flaschen, hoffentlich überholt er mich nicht.

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Tenedos
Gelöschter Benutzer

Re: Griechenland Juli 2012

von Tenedos am 05.08.2012 17:35

In welchem Stadtteil von Saloniki wohnt denn Deine Familie?

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Werner01

60, Männlich

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Labertasche

Beiträge: 5082

Re: Griechenland Juli 2012

von Werner01 am 05.08.2012 17:11

Als ich mich hinlegte hätte ich schwören können, dass ich nach mehr als 40 Stunden ohne Schlaf
erstmal 12 Stunden durchschlafe. Aber dem ist nicht so. 7.20Uhr morgens ist es, irgend etwas hat
mich geweckt. Es war Valery (auf den komm ich später noch mal zurück) der eine Wohnung im
Nachbarhaus renoviert. Hinzu kommt das die Sonne jetzt schon erbarmungslos durchs geöffnete
Fenster brennt. Die Fensterläden sind selbstverständlich auch weit geöffnet in der Hoffnung, ein
Luftzug verirrt sich hin und wieder hinein ins Zimmer. Draussen herrscht schon reges Leben. Radios
und Fernseher plärren, Töpfe klappern, Mopeds knattern, irgendwo fährt ein Händler mit Obst vorbei,
dem besten und billigsten weit und breit wie der Verkäufer mittels Megaphon versichert. Er heisst
Giannis : Kommt zum Gianni, kommt zum Gianni, ich habe das beste und billigste Obst....
Obst. Mmmmhhh. Hatte ich lange nicht mehr. Frisches sowieso nicht. Mal sehen. Aber erst mal ist
mir nach ner Dusche. In Deutschland bei knapp 20 Grad jedesmal ein Angang am frühen morgen,
viel zu kalt und viel zu nass, aber hier jetzt, ich fühle mich wie nach einem Saunagang, zieht das kalte
Wasser mich magisch an. Das tat gut. Zeit fürs Frühstück. Ein Blick vom Balkon verrät mir, das unser
Vorgarten bereits gut gefüllt ist. Neben den üblichen Verdächtigen (ca.10) haben sich zwei Personen in
einer Art Uniform eingefunden. Sie sind Mitarbeiter der DEI. Sie suchen eine Person, die seit zwei Jahren
irgendwo 3 Türen weiter gewohnt hat, nun aber seit Monaten verschwunden ist. Keiner kennt ihn. Vielleicht
will man ihn aber auch nicht kennen, fragt einer der Mitarbeiter. Achselzuckend erwidert einer der Bewohner,
warum sollten wir den kennen, er war ja schliesslich keiner von uns, er war ja Russe......
Ich beobachte die Szene vom Balkon aus, grüsse freundlich in die Runde und werde prompt fast vom
Balkon gezerrt. Ich solle rauskommen, der Kaffe ständ hier, im Brotschrank läg frische Bougatza, ich solle
erzählen. Mit einer Tasse, Tabak und einem Aschenbecher bewaffnet setze ich mich dann zu den anwesenden,
die Mitarbeiter der DEI verabschieden sich höflich, und nachdem ich alle persönlich begrüsste die ich gestern
Abend noch nicht sah widmet die Runde sich dem "verschwundenem" Russen. Mietrückstände seit über
einem Jahr soll er haben, das Auto sei ihm bereits vor einem halben Jahr gepfändet worden sein, und was die
DEI jetzt noch von ihm wolle, schliesslich hätte er das ganze letzte Jahr bereits den Strom an einer öffentlichen
Laterne geklaut, das Kabel würde ja jetzt noch quer vom Fenster über der Strasse zur Laterne hängen.
(Später sah ich es mir an, und es war tatsächlich so). Irgendwie habe ich jetzt absolut keine Lust auf Diskussionen
zum Thema Krise und deren Auswirkungen, und so versuche ich das Thema zu wechseln. Ob der Giannis wirklich
gutes Obst hätte will ich wissen. Erstaunt blickt man mich an. Welcher Giannis, welches Obst ?? Na der der eben
hier vorbei fuhr,der der.......Er heisst nicht Giannis klärt man mich auf, der Vorbesitzer des Pick Up hiess Giannis,
der der den Wagen jetzt fährt kenne man nicht, es sei ein Pakistani oder Inder, der kaum griechisch könne, und
deshalb immer noch Giannis Kassette laufen liesse, und Obst kaufe man doch Donnerstags auf dem Wochenmarkt,
beim George, dem Vetter des Vetters des Onkels aus dem Dorf in weissnichtwo....Schliesslich seien die Zeiten
schlecht, und da kauft man eben bei Leuten die man kennt. Und er hätte Donnerstag tolle Pfirsiche gehabt,
und wenn ich welche wolle, das Gemüsefach im Kühlschrank wär voll damit. Na dann, hätt ich gern Pfirsiche
zum Frühstück, kleingeschnitten, in mundgerechten Happen. "Kauen kannst du aber selbst" fragt meine liebste.
"Willst du nicht lieber Bougatza" mein Dad. "Ich gehe schon und mach nen Obstsalat" sagt meine Mom.
Obst sei ja so gesund. (Später erfahr ich das meine Mom nachts aufsteht, die "tollen" Pfirsiche heimlich
entsorgt, weil jeden Donnerstag zwei neue Kisten angeschleppt werden die zwar wirklich toll und preiswert
sind, aber eh keiner isst). Warum ich denn nicht die Bougatza esse, will meine Tante wissen. Damals als Kind
hätte ich nie genug davon bekommen können, und schliesslich hätte man sie heut morgen extra für uns
geholt, und wenn sie später am Tag nicht mehr frisch sei, würde sie nicht mehr so gut schmecken, und teuer
wär die geworden, 2,50 Euro pro Portion, teuer,teuer, ach alles ist so teuer geworden, jetzt, mit der Krise.....
"Fahren wir gleich ans Meer" ? ist meine Antwort, es sei so schrecklich warm heute, alles sei hier so
schrecklich warm, jetzt im Sommer.......
"Das lohnt jetzt nicht mehr" erwidert mein Onkel, es sei zu spät (es ist 8.30 Uhr), bis der Bus unten am
Strand ist wärs schon zehn, dann ne Stunde schwimmen in der prallen Sonne und dann wieder über eine
Stunde zurück, mit dem Bus, am Mittag, in dieser Hitze, nein, Schwimmen kann man nur morgens, dann
nimmt man früh den Bus, so das man spätestens gegen 10Uhr wieder daheim ist, oder abends ab 19 Uhr,
dann könne man auch wieder in die Sonne. Und das Busfahren ist so umständlich geworden. Früher, ja früher
fuhr der Bus direkt vor der Türe, alle fünf Minuten, direkt bis an den Strand, das dauerte grade mal 20 Minuten,
heute, heute muss man laufen, bis unten zur Strasse, dann beim IKEA umsteigen, dann nochmal umsteigen,
und wenn man Pech hat, muss man warten, irgendwo in der prallen Sonne, weil die Busse jetzt nur noch im
20 Minuten Rythmus fahren. Scheiss Krise !
"Warum fahren wir nicht mit den Autos" will ich wissen. Ich hab ne Klimaanlage, mein Dad hat eine, du hast eine.
Früher sind wir für jeden Scheiss gefahren, zum Periptero eine Ecke weiter, zum Bäcker eine Strasse weiter,
zum Strand dreimal täglich wenn uns danach war. "Mit dem Auto kannst du vergessen" sagt er, weil alle
Parkplätze im Schatten vorne am Strand nicht mehr da seien, die einzigen Parkplätze dies noch gäbe sind
jetzt weiter hinten, um die Autos vom Strand fernzuhalten, damit die Busse jetzt besser durch kommen,
und vom Parkplatz zum Strand ist weit,
sehr weit, mindestens 15 Minuten zu Fuss, und das bei diesem Wetter, bei diesen Benzinpreisen zudem,
und schliesslich haben wir jetzt im Sommer Monatskarten für den Bus, die müsse man ja auch nutzen, sonst
mache das ja keinen Sinn. Scheiss Krise. Was die sich nur denken in Brüssel, die Troika, die Verbrecher. Alles sollte
besser werden haben die immer gesagt, und jetzt, guck uns an, was ist aus uns geworden, nicht mal mehr am
Strand können wir parken, Bus fahren müssen wir, wenn wir zum Strand wollen, wie früher die armen Leute.
Zehn Jahre habe ich gespart,gespart,gespart, mir und meiner Familie nicht viel gegönnt, dann hatte ich endlich
diesen BMW, endlich, und nun, steht er da, staubt voll, die Sonne verbrennt die Armaturen, und da steht er,
frisst viel Geld, viel Benzin, Scheiss deutsches Auto, und jetzt fahr ich wieder Bus, Scheiss Krise.
"Du jammerst auf sehr hohem Niveau" Onkel, ich kenne Leute, die hungern im Winter, frieren, gehen zu Fuss,
haben nicht mal Geld für den Bus. " Kennst du die ? Hast du je einen von denen gesehen" ? fragt er
lautstark und stark gestikulierend. Und bevor ich antworten kann legt er los. Das alles seien Erfindungen
der Presse, der Presse, von der niemand im Ausland wisse, dass sie Sprachrohre der Parteien wären, der Parteien,
die das Land seit Jahrzehnten systematisch ausrauben. In Griechenland sei seit dem Krieg nie wieder ein Mensch
verhungert oder erfroren, die Griechen seien reich, nicht sehr reich, aber verhungern, das gäbs nur noch in Afrika.
Nicht in Griechenland. Griechenland habe vielmehr das Problem, systematisch bestohlen zu werden, von Leuten
die die EU bitten zu helfen, nicht um das Volk zu stützen, sondern nur um sich selbst zu bereichern. Und die Presse,
die Presse seien die schlimmsten, wiegeln auf, machen alle verrückt, mit ihren boshaften Worten. Geh nach Athen,
geh wohin du willst, niemand verhungert hier, egal woher die auch kommen, aus Afghanistan, Pakistan, Afrika.
Niemand verhungert HIER. Darum sind so viele hier. Weil HIER niemand verhungert. Verhungern, so ein Blödsinn,
Ma..................!!!!!!! Ihr spinnt alle, ihr seid zu viel in Deutschland, lest zu viel Müll. Ma.........!!!!
"Ich las von Schulkindern die im Unterricht umfielen vor Hunger, griechischen Kindern" werfe ich ein.
*********.....********************.....*************************************!!!!!!!!!!!!!!!!!!
ist seine Antwort. Endlich kommen meine Pfirsiche. Die Stimmung wird schlagartig wieder freundlicher.
Eine ganze Platte Obst. 60 % Pfirsiche, etwas Melone, Kirschen, dazu ein Korb mit 10 Gabeln, Servietten,
und 10 Dessertteller. Wir essen uns satt am Obst, erzählen von früher, früher als wir mit 6 Erwachsenen und
vier Kindern in einem Auto von Saloniki nach Kavala fuhren, als wir anhielten, dort bei dem Onkel, wo diese
Pfirsiche herkommen. Damals. Ach damals. Damals gabs keinen Euro. Damals gabs keine Sorgen. Damals war
alles so einfach. Und Hunger, Hunger? Wer hatte schon jemals Hunger, ausser damals, im Krieg, und kurz danach.
Griechische Kinder die heutzutage hungern und in der Schule umkippen. Man lacht. Unvorstellbar wie blöd die
Menschheit in Europa sei. Unvorstellbar das man so etwas zu Ende lese, und die Zeitung nicht direkt zum
"Arschabwischen" oder als "Brennholzanzünder " nutze....Unfassbar. Klar könne niemand erwarten, jeden Tag
Fleisch in der Suppe zu haben, sowie der Fischer, der zwar jeden Tag hart arbeitet, aber noch lange nicht jeden
Tag gut fängt. Es gibt eben Tage, da muss man auch mal abends das Brot vom morgen noch mal aufbacken, und
schlimmstenfalls am nächsten morgen noch mal in Milch einweichen, damit es wieder weich wird. Milch sei
sehr teuer geworden, wirft jemand ein. Ja, Kuhmilch, erwidert ein anderer. Aber die meisten, eigentlich fast jeder
draussen auf dem Land, hat doch Ziegen und Schafe. So wie der von dem die Pfirsiche sind. Gleich Donnerstag,
wenn zwei neue Kisten geholt werden, werden wir mal mit ihm reden. Vielleicht verkauft er ja bald Milch. Die
Milch aus dem Supermarkt sei ja nicht nur teuer. Sie schmecke auch nicht. Schmecke nicht so gut. Und wer weiss,
was die sich in der EU noch alles einfallen lassen in Zukunft. Wer weiss schon was dann in der Milch ist die die uns
schicken. Besser wir trinken unsere eigene Milch. Der George hätte es eh am besten verstanden. Wär nicht weg
gegangen. Hätte keine Tomaten gezüchtet um EU Gelder zu kassieren. Wär bei den Pfirsichen geblieben.
Klasse Pfirsiche. Die besten weit und breit. So tolle frische Pfirsiche bekommst du nirgends. Nirgends in Griechenland.
Und anderswo schon mal gar nicht. Wir Griechen, wir sind reich, nicht sehr reich, aber uns gehts gut, stimmt man überein.
"Komm runter Nachbar", ruft einer hoch in den dritten Stock, komm runter und setz dich zu uns, probier mal
diese Pfirsiche, sie sind köstlich......und wir haben so viele davon

LG Werner01©

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